"I didn't need to see that"
Installation aus 17002 Seiten 90 g/qm Kopierpapier, bedruckt mit dem Dateicode eines Fotos (175,3 cm) mit Spiegel.
I didn’t need to see that beschäftigt sich mit der Frage, welchen Raum Bilder im heutigen Leben einnehmen. Grundlage ist eine digitale Bilddatei, die in ihren Hexadezimal-Code, vergleichbar mit Nullen und Einsen der Binärsprache, übersetzt und auf 17.002 Seiten Papier gedruckt wurde. Das ursprüngliche Motiv bleibt unsichtbar und steht stellvertretend für die Vielzahl digitaler Bilder, die täglich zirkulieren. In der Ausstellung erscheint die Arbeit als Papierinstallation aus tausenden Seiten, die zu einem hohen Block aufgestapelt sind. Die Masse erzeugt eine starke körperliche Präsenz, obwohl das eigentliche Bild nicht zu sehen ist. Da die Arbeit auf der Übersetzung eines digitalen Bildes in seinen Code basiert,wird die technische Grundlage eines Bildes sichtbar, ohne das Bild selbst darzustellen. Im Mittelpunkt steht weniger das konkrete Motiv als die Tatsache, dass jedes digitale Bild aus einer abstrakten Struktur von Informationen besteht, die sich in eine physische und visuelle Form überführen lässt. Die Arbeit verknüpft Fotografie, Material und Installation. Das unsichtbare Bild steht stellvertretend für die uns stets präsente große Menge an Bildern, von alltäglichen Momenten in sozialen Medien bis hin zu Nachrichtenbildern aus Krisengebieten. Auch ohne sichtbares Motiv entsteht ein Spannungsfeld zwischen Abwesenheit und Überfülle. Die Arbeit fragt danach, welchen Raum Bilder im Alltag einnehmen: physisch, emotional und sozial.
Text: Martin Kerstan